Wie hättest Du dein Tattoo gerne? Realistic oder sketchy-lässig?

“Früher hatte ich oft die Idee, in einem Nebenjob als Begrüßungsdame für einen Tattooshop zu arbeiten”, sagt Maike, die manchmal etwas düster aussehende, meist schwarz gekleidete, coole Punk-Lady von Black Rabbit Ink.

Grußtante ist sie nicht geworden. Seit einiger Zeit betreibt sie stattdessen zusammen mit Ralf Spitzer, alias Shamez-ABC, einen eigenen Shop. Ein Praktikum in einem Münchner Tattoo Studio war es, das die gelernte Holzbildhauerin und Kommunikationsdesignerin mit Bachelor-Abschluss dazu brachte, ein weiteres Handwerk zu erlernen und selbst Bilder in die Haut zu stechen.

Kali Black Rabbit Ink München

Einflüsse von Maikes Bildhauerarbeit finden sich heute in ihrer Tätowierkunst wieder.

“Die Wirkung eines Tattoos auf einem Körper steht für mich in engem Bezug dazu, wie Figuren im Raum zur Geltung kommen.” Und auch die Art, wie sie ihre Motiv-Vorlagen zum Tätowieren erstellt, gezeichnete Akte oder z.B. Tiere, erinnert an diese Arbeit: In einer Minute ein Modell skizzenhaft erfassen und teils spielerisch, teils mit einigen wohlkalkulierten Strichen umreißen, so als würde sie mit dem gröbsten Schnitzwerkzeug einen Holzklotz bearbeiten. Die fertige Vorlage sieht dann oft aus, als wäre ihr beim Skizzieren ein Glas Tusche auf dem Papier umgekippt oder als wäre sie mit dem Pinsel an manchen Stellen ausgerutscht. Den Vorlagen und später den Tattoos verleiht das coole optische Effekte.

Kali, ihr Künstlername, steht im Hinduismus für die schwarze Göttin des Todes und der Zerstörung, die aber auch Wünsche erfüllen kann. Betrachtet man einige ihrer expressiven, abgefahrenen Motive, könnte der Name nicht treffender sein. Nicht jedermanns/frau Sache, wenn nicht gerade etwas Existenzielles, Abgründiges sondern ein liebliches Motiv gefragt ist.

Aber auch das kann in ihrem expressiven, abstrakten, sketchy-style sehr gut aussehen. Ob Realistic, Dotwork oder im Traditional Style, alles bringt sie gekonnt unter die Haut. Sehr gerne tätowiert sie aber auch einen Mix verschiedener Stile, denn dabei entstehen ganz individuelle und neue Wirkungen. Und wenn es ein Motiv nach einem Bild von Kandinsky sein soll? Ja klar. Warum nicht? Tattoos nach Vorlagen des Jugendstilmalers Alfons Mucha würden jedenfalls öfter nachgefragt, so Kali.

Viele Kunden kommen mit eher vagen, zum Teil aber auch sehr detailreichen Ideen zu mir. Diese werden auf Wunsch beraten, immer auch im Hinblick darauf, dass die Abbildungen zu den Körperformen passen. “Wenn mir die Kunden bei der Umsetzung der Ideen dann freie Hand lassen, ist das natürlich das Tollste” sagt Kali, die nach eigenem Bekunden einen “saucoolen” Kundenstamm hat.

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